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AKTUELL

Stolperstein für ein Balgacher Opfer des Nationalsozialismus

27. Aug.
2 Min. Lesezeit

Am 27. August 2026 ist in der Rheintaler Gemeinde Balgach ein Stolperstein zur Erinnerung an Jakob Lütschg gelegt worden. Der Balgacher war vom NS-Regime 1944 ermordet worden. Die st.gallische Regierungspräsidentin Laura Bucher sprach von einem erschütternden Schicksal, das uns heute noch berührt.

«In manchen Fällen genügt es, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.» Der Stolperstein für Jakob Lütschg, sagte Laura Bucher, diene als Erinnerung und Mahnung, «in Demut zur Kenntnis zu nehmen, wie wenig es manchmal braucht, damit ein Leben ins Stolpern geraten oder ein tragisches Ende nehmen kann.»

Die Teilnehmenden der Stolpersteinlegung hören den Worten der St. Galler Regierungspräsidentin Laura Bucher zu.
Die Teilnehmenden der Stolpersteinlegung hören den Worten der St. Galler Regierungspräsidentin Laura Bucher zu.

Bewusstsein für eigene Geschichte

An der gut besuchten öffentlichen Steinsetzung beim Neudorfbrunnen in Balgach, ganz in der Nähe von Lütschgs einstigem Wohnort an der Mühlackerstrasse 2, schlug Bucher den Bogen zum geplanten Schweizer Memorial für Opfer des Nationalsozialismus. Dieses soll an Schicksale wie von Jakob Lütschg erinnern und in Bern einen Erinnerungsort und in Diepoldsau ein transnationales Vermittlungszentrum umfassen.

Geschichte werde von Menschen geprägt, «die hier gelebt, gearbeitet und ihre Spuren hinterlassen haben», sagte der Balgacher Gemeindepräsident Urs Lüchinger in seinem Grusswort während der Feier. Zu einer lebendigen Gemeinde gehöre nicht nur der Blick nach vorne. Es sei auch wichtig, sich der eigenen Geschichte bewusst zu sein. «Erinnerungen helfen uns», so Lüchinger, «Verantwortung zu übernehmen und Werte zu pflegen wie Respekt, Zusammenhalt, Solidarität sowie gegenseitige Achtung und Wertschätzung».

Der Balgacher Gemeindepräsident Urs Lüchinger bei seinem Grusswort.
Der Balgacher Gemeindepräsident Urs Lüchinger bei seinem Grusswort.

Ermordet ohne Anklage und Urteil

Jakob Lütschg war 1904 in Balgach geboren worden und lebte bis zu seinem 20. Lebensjahr in der Rheintaler Gemeinde. Seine Eltern besassen eine Bäckerei. Lütschg wurde ebenfalls Bäcker und später Kaufmann. Er hielt sich im Sommer 1940 beruflich in Paris auf, just zu der Zeit, als die deutschen Truppen einmarschierten. Unverschuldet geriet er in deutsche Hände, wurde ohne Anklage und Urteil in Schutzhaft gesetzt und schliesslich 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

An der Feier, die von der Gruppe Ostschweiz des Vereins Stolpersteine Schweiz organisiert wurde, legten Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Heerbrugg weisse Rosen beim Stolperstein für Jakob Lütschg nieder. Musikalisch wurde die Feier von Cédric Peier (Trompete) umrahmt.

Weisse Rosen beim Stolperstein für den von den Nazis ermordeten Jakob Lütschg.
Weisse Rosen beim Stolperstein für den von den Nazis ermordeten Jakob Lütschg.

Vierter Stolperstein im Kanton St.Gallen

Mit der Steinlegung in Balgach gibt es nun vier Stolpersteine im Kanton St.Gallen. Die ersten drei Steine erinnern an Arthur Vogt, Martha Wodiunig und Szloma Sochaczewski, die ebenfalls ohne eigenes Verschulden in den Willkür- und Verfolgungsapparat der Nazis gerieten. Ihr Schicksal steht für Hunderte weitere Opfer des Nationalsozialismus aus der Ostschweiz, davon rund 40 aus dem St.Galler Rheintal. Im kommenden Jahr wird ein Buch erscheinen, das diese bisher unbekannten Schicksale nachzeichnet.

Das Projekt Stolpersteine

Die Stolpersteine sind ein Projekt des deutschen Künstlers Gunter Demnig, an dem er seit 1992 arbeitet. Die im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln aus Messing sollen an das Schicksal von Menschen erinnern, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Steine werden jeweils an früheren Wohnorten der Nazi-Opfer gesetzt. Die mittlerweile 116’000 Stolpersteine in über 1860 Gemeinden in 31 europäischen Ländern gelten als grösstes dezentrales Mahnmal der Welt. Der Verein Stolpersteine Schweiz besteht seit 2021, die Gruppe Ostschweiz seit 2022.

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