top of page

Stolperstein für 

Ida Silberschmidt

Rue Neuve 9, La Chaux-de-Fonds

Ida Silberschmidt, geb. 2. Dezember 1870 in La Chaux-de-Fonds, 1941 ins «Judenhaus» in München eingewiesen, 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 7. April 1943 stirbt.

Ida Silberschmidt

Von La Chaux-de-Fonds bis ins KZ Theresienstadt

Ida Silberschmidt wird am 2. Dezember 1870 in La Chaux-de-Fonds geboren, wohin ihr Vater Moses Silberschmidt aus dem unterfränkischen Niederwerrn 1867 eingewandert ist. Dort übernimmt er eine kleine Uhrenproduktion und macht daraus die Fabrique d’Horlogerie M. Silberschmidt & Cie. 1875 erwirbt er für sich und seine beiden Kinder Ida und William – seine Ehefrau Rosa war bereits ein Jahr zuvor mit 33 Jahren gestorben – das Neuenburger Bürgerrecht, 1876 werden die drei in La Chaux-de-Fonds eingebürgert. Den Haushalt übernimmt nun die aus Unterfranken angereiste Grossmutter Friederike Silberschmidt-Kahn, er wird nicht streng rituell geführt, aber die nahegelegene Synagoge ist für Friederike und ihre Enkelkinder ein beliebter Treffpunkt. Zeit für Synagogenbesuche hat Vater Moïse (Moses) nur an jüdischen Feiertagen, aber fast jeden Sonntag macht er mit seinen beiden Kindern Ausflüge in die schöne Umgebung von La Chaux-de-Fonds. Ida besucht eine höhere Mädchenschule, während ihr Bruder William in Pruntrut das Gymnasium besucht und später in Bern Medizin studiert. Ida erlernt keinen Beruf, aber sie hilft ihrer betagten Grossmutter, die kein Französisch spricht, im Haushalt an der Rue Neuve 9. Nach dem unerwarteten frühen Tod ihres Vaters – er stirbt 1890 erst 52-jährig, wird die Uhrenmanufaktur verkauft und der Haushalt in La Chaux-de-Fonds aufgelöst, die drei Silberschmidts verlassen die Uhrenstadt. Für Ida beginnt ein neuer Lebensabschnitt, denn es bahnt sich die Heirat mit ihrem um acht Jahre älteren deutschen Cousin Willy Silberschmidt, damals Amtsrichter in Nürnberg an. Damit verliert sie das Schweizer Bürgerrecht und wird deutsche Staatsbürgerin.

1892, ein Jahr nach ihrer Hochzeit, kommt die Tochter Rosa zur Welt, es folgen Hans, Benno und Karl. Ida kümmert sich in erster Linie um die Erziehung ihrer vier Kinder und den aufwendigen bürgerlichen Haushalt und hält ihrem um acht Jahre älteren Ehemann den Weg frei für seine Karriere in der bayerischen Justiz. 1916 lässt sich die Familie in München nieder, wo sich Wilhelm an der juristischen Fakultät habilitiert, doch 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird ihm die Lehrbefugnis aberkannt. Auch die beiden Söhne Benno und Hans, ebenfalls Juristen, verlieren ihre Arbeit. Rosa ist Mittelschullehrerin für Geschichte und Französisch in Nürnberg und erhält 1933 Berufsverbot. Nachdem Vater Wilhelm im März 1939 noch vor Kriegsausbruch an Herzversagen stirbt, ziehen Rosa, Hans und Benno zu ihrer Mutter. Einzig Karl, der Jüngste, kann sich rechtzeitig eine Existenz im Exil aufbauen: als Biologe und Botaniker wird er 1935 nach São Paulo an die dortige Universität berufen.

Im Juli 1939 – zwei Monate vor Ausbruch des Krieges – stellen Rosa und Hans ein Gesuch um Bewilligung des Aufenthalts in Zürich, ihr Onkel William Silberschmidt, Idas Bruder, emeritierter Professor für Medizin an der Universität Zürich, garantiert für deren Aufenthalt. Die schweizerische Fremdenpolizei lehnt das Gesuch jedoch ab mit der Begründung, die Wiederausreise der beiden sei nicht gesichert. Ohne ihre Kinder will Ida Silberschmidt nicht in die Schweiz ausreisen, obwohl dies zu jenem Zeitpunkt vielleicht noch möglich gewesen wäre. Ihr Sohn Benno erhält von der Schweiz ein Durchreisevisum, weil er im Besitz einer brasilianischen Einreiseerlaubnis ist, in Marseille schifft er sich im Juli 1939 nach Santos ein.

Hans und Rosa sind mit ihrer Mutter im Judenhaus interniert. Sie freuen sich an jedem Zeichen aus Brasilien und Zürich. In ihren noch erhaltenen Briefen betont Ida immer wieder wie man trotz allem optimistisch bleiben möchte. Tausend Grüsse und Küsse aus dem Münchner Ghetto. Aus Brasilien versucht Benno 1941, in Kenntnis der drohenden Deportation von Hans und Rosa nach dem polnischen Lublin, eine illegale Übersiedlung nach Palästina zu organisieren. Im April 1942 muss die 71-jährige Ida Silberschmidt die Deportation ihrer zwei Kinder Hans und Rosa erleben, ohne zu erfahren wohin. Sie werden ins Vernichtungslager Piaski nahe Lublin deportiert und wenige Monate später umgebracht. Ida wird in ein «Judenhaus» umgesiedelt und von dort ins KZ Theresienstadt.

Alle Bemühungen ihres Bruders William, der in seiner Verzweiflung Kontakt mit seinem ehemaligen Kollegen Ferdinand Sauerbruch und mit Heinrich Rothmund, dem Chef der Schweizerischen Fremdenpolizei suchte, um seine Schwester in die Schweiz zu bringen, blieben erfolglos: Ida Silberschmidt stirbt am 7. April 1943 72-jährig im KZ-Theresienstadt, stark unterernährt, an einer Lungenentzündung – wenige Monate nach der Ermordung ihrer beiden Kinder Hans und Rosa.

Steinsetzung Stolperstein für

Ida Silberschmidt

Familienarchiv Silberschmidt

Wann?

10. September 2026

Wo?

Rue Neuve 9, La Chaux-de-Fonds

Standort dieses Stolpersteins auf Karte: 

Erfahren Sie mehr über die Steinsetzung im Bericht zu diesem Anlass.

Die Gedenkanlässe finden jeweils in Anwesenheit von Angehörigen der Opfer, Mitgliedern und Freunden des Vereins sowie Quartiers- und Behördenvertretern statt. Regelmässig sind auch Schulklassen und deren Lehrer dabei, die wegen des Anlasses zuvor das Thema Holocaust in der Klasse unterrichtet haben.

bottom of page