STOLPERSTEINE

Zur Geschichte der ersten Stolpersteine in der Schweiz

Am 8. September 2013 wurden in Kreuzlingen in der Schweiz die ersten beiden Stolpersteine verlegt. 

Ernst Bärtschi, geb. 1903 in Tuttlingen als Schweizer Bürger, schmuggelte politische Flugschriften und Broschüren. Später half er gemeinsam mit Andreas Fleig, geb. 1884, unzähligen Emigranten, in die Schweiz zu fliehen.

Die beiden Freunde wurden 1938 von der Gestapo verhaftet, als sie den verfolgten Gewerkschaftsfunktionär Hans Lutz über die Schweizer Grenze bringen wollten. Ernst Bärtschi und Andreas Fleig wurden wegen «Vorbereitung zum Hochverrat» verurteilt und sassen im Zuchthaus Ludwigsburg ein. 1945 wurden sie beide befreit. 

Am 13. September 2015 wurde in Tägerwilen/TG ein Stolperstein für Otto Vogler, Jg. 1876 gesetzt, der 1938 im Widerstand verhaftet und am 14.2. 1941 im KZ Dachau ermordet wurde. 

Stolpersteine in Kreuzlingen

Stolpersteine Schweiz - Andreas Fleig

© Christian Michelides, CC BY-SA 4.0

Stolpersteine Schweiz - Ernst Bärtschi

Stolperstein in Tägerwilen

Die drei Steinsetzungen erfolgten auf Initiative von «Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz».

Nach monatelangen Vorbereitungen wurden am Freitag, 27. November 2020 in Zürich die ersten Stolpersteine für Schweizer Opfer des Nationalsozialismus gesetzt. 

Die Schweiz und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozialismus

Während der Jahre des Zweiten Weltkrieges praktizierte die Schweiz eine restriktive, antisemitisch motivierte Flüchtlingspolitik. Sie nahm zwar jüdische Verfolgte und andere Schutzsuchende auf, wies aber Zehntausende zurück.

Weniger bekannt sind die Schicksale von Schweizer Opfern des Nationalsozialismus. 

Der Journalist und Schriftsteller Alfred A. Häsler setzte sich 1967 als einer der Ersten kritisch mit der Schweizer Flüchtlingspolitik auseinander und öffnete damit einer breiten Öffentlichkeit die Augen über ein Thema, das uns heute noch immer beschäftigt.

Alfred A. Häsler das Buch «Das Boot ist voll. Die Schweiz und die Flüchtlinge 1933–1945». Diogenes, 2008

Die Studien der UEK thematisieren die schweizerische Flüchtlingspolitik in den Jahren 1933 bis 1945. Der sogenannte Bergier-Bericht hielt fest, dass über 20'000 Flüchtlinge an der Grenze abgewiesen oder ausgeliefert und mindestens 16'000 Begehren um Einreisevisa verweigert wurden, obwohl bekannt war, dass diesen Männern, Frauen und Kindern Deportation und Ermordung drohten.

UEK: UNABHÄNGIGE EXPERTENKOMMISSION
SCHWEIZ – ZWEITER WELTKRIEG: Die Schweiz und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozialismus

Das Buch gab mit den Anstoss für die Gründung des Vereins Stolpersteine Schweiz und für weitere Recherchen, zunächst im Raum Zürich.

Balz Spörri, Benno Tuchschmid und René Staubli: «Die Schweizer KZ-Häftlinge: vergessene Opfer des Dritten Reichs», NZZ Libro, 2019